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Digital Health ist die interdisziplinäre Verbindung von Gesundheit, Gesundheitsfürsorge, Leben und Gesellschaft mit digitalen Medizin- und Gesundheitstechnologien, um die Effizienz der Gesundheitsversorgung zu verbessern und Arzneimittel individueller und wirkungsvoller einsetzen zu können.
DigitalRadar Das kürzlich durchgeführte Webinar des DigitalRadars nahmen knapp 1.000 Teilnehmende wahr, um sich über die Ergebnisse der ersten Erhebung informieren zu lassen.

1.624 Krankenhäuser (91% aller Plankrankenhäuser) gaben im vergangenen Jahr eine Selbsteinschätzung u.a. zu ihren klinischen Prozessen, den Gegebenheiten des Informationsaustausches oder der Patientenpartizipation ab. Deutschland leistet damit Pionierarbeit. Kein Land der Welt hat diesbezüglich eine ähnlich umfassende Datenbasis in Hinblick auf den Digitalisierungsgrad seiner Krankenhauslandschaft. Die Ergebnisse geben hervorragende Anhaltspunkte für die zu erarbeitende Digitalstrategie des Gesundheitswesens und weisen die offenen Handlungsfelder aus. Die Reifegradmessung erfolgt im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen des Krankenhauszukunftsfonds.

Von den 1.624 befragten Krankenhäusern befinden sich 33,7 % in öffentlicher, 37,4 % in freigemeinnütziger und 28,9 % in privater Trägerschaft. Der durchschnittliche DigitalRadar Score (DR-Score) liegt bei 33 von 100 möglichen Punkten. Die Mehrheit der Häuser (70 %) verzeichnet dabei Werte zwischen 23 und 44 Punkten. Öffentliche Krankenhäuser schneiden auf Ebene des DR-Score am besten ab, gefolgt von privaten und freigemeinnützigen. Am weitesten digitalisiert sind Krankenhäuser in Berlin, Hamburg und Brandenburg. Die höchsten Werte erreichten die Krankenhäuser im Durchschnitt in der Dimension „Strukturen und Systeme“, den niedrigsten Erreichungsgrad verzeichneten sie bei den Themen „Patientenpartizipation“ und „Telehealth“.

Mit Blick auf die unterschiedlichen Dimensionen erzielen die öffentlichen Krankenhäuser fast durchgängig die besten Ergebnisse. Lediglich bei „Patientenpartizipation“ und „Organisatorische Steuerung und Datenmanagement“ erreichen die privaten Krankenhäuser höhere Scores. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass eine zentrale Organisation, wie sie bei Krankenhausketten und -verbünden erfolgt, in diesen Dimensionen den höchsten Mehrwert hat. Mit Blick auf die Krankenhausgröße ist zu sehen, dass die größeren Häuser auch innerhalb der Dimensionen besser abschneiden als kleinere. Darüber hinaus zeigte eine Varianzanalyse, dass die wichtigsten Prädiktoren für den DR-Score Bettenklasse, Breitbandausbau, der Status als Lehrkrankenhaus, die Anzahl der mobilen Workstations pro Mitarbeiter:in und die Notfallstufe sind. Die meisten Krankenhäuser haben Fördermittel in den Fördertatbeständen „Digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation“, „Patientenportale“ und „Digitales Medikationsmanagement“ beantragt. Damit scheinen sie bereits einige Defizite - vor allem bei der Patientenpartizipation - erkannt zu haben.

„Der DigitalRadar zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich im guten Mittelfeld liegt. Noch werden jedoch viele Potenziale der Digitalisierung nicht ausgeschöpft“, resümiert Dr. Susanne Ozegowski, Leiterin der Abteilung für Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG). „Hier setzt der Krankenhauszukunftsfonds an: Als Bestandteil der Digitalisierungsstrategie des BMG stellt er die Weichen, damit die Digitalisierung die Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung im stationären Bereich weiter verbessert.“

Die Messung des digitalen Reifegrades gemäß der Anforderungen des Krankenhauszukunftsgesetzes, ist für die Krankenhäuser obligatorisch, die sich basierend auf den neun Fördertatbeständen um Förderung bewarben.

„Auf Basis der individuellen Ergebnisdashboards, haben die Krankenhäuser nun die Möglichkeit ihre individuellen Handlungsbedarfe zu identifizieren und zu priorisieren sowie weitere notwendige Maßnahmen abzuleiten. Das kann zu einer teilweise notwendigen Entzerrung der Umsetzungszeitpläne innerhalb der Digitalisierungsvorhaben führen“, fügt die operative Projektleiterin, Anne Wiesmann (Principal - Lohfert & Lohfert AG), hinzu. Um den Digitalisierungsstand besser beschreiben und vergleichen zu können, wurden zudem relevante Strukturkennzahlen der Krankenhäuser erhoben, wie Ausgaben für IT-Infrastruktur und Personalkosten oder Informationen zur Breitbandanbindung, die in Deutschland bisher nicht zentral erfasst wurden.

„Aus den Ergebnissen konnten wir ebenfalls herauslesen, welche Ressourcen und Voraussetzungen für die Implementierung neuer (digitaler) Anwendungen und Prozesse benötigt werden“, ordnet Prof. Dr. Sylvia Thun (BIH - Charitè), Co-Projektleiterin des DigitalRadar, die Ergebnisse ein. „Die Möglichkeiten einer Einrichtung, positiv auf die Einführung von Innovationen hinzuwirken, werden durch die Einrichtungsgröße und die finanziellen Möglichkeiten limitiert sein. Dennoch bleibt es ein Lichtblick, dass der Veränderungswille heute deutlicher artikuliert bzw. überhaupt thematisiert wird. Darüber hinaus haben wir mit den nun repräsentativen Aussagen zur Digitalisierung deutscher Krankenhäuser eine belastbare Datenbasis geschaffen, auf der eine zukünftige Digitalstrategie an- und aufsetzen kann.“

Der Zwischenbericht kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, so Prof. Dr. Alexander Geissler, Co-Projektleiter des DigitalRadar (Universität St. Gallen), „dass die Daten des Zwischenberichts schon jetzt viele interessante Facetten der Digitalisierung deutscher Krankenhäuser aufweisen. Dennoch stehen wir erst am Anfang unserer Analysen. Weitere Auswertungen werden folgen, um beispielweise auch den Zusammenhang von Digitalisierung und Qualität der Versorgung zu untersuchen.“ Nur so ließen sich Schnittstellenprobleme und brüchige Informationsflüsse vermeiden und die Patientensicherheit relevant verbessern.

Weitere Informationen zu den DigitalRadar-Ergebnissen finden Sie unter https://www.digitalradar-krankenhaus.de/ergebnisse/

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